Die Faszination der Fernbedienung: 60 Jahre Bequemlichkeit


Vor 60 Jahren begann in Deutschland der triumphale Aufstieg der Fernbedienung. Damals waren sie noch an einer lästigen Schnur befestigt oder verwendeten Lichtstrahlen, um den Fernseher zu kontrollieren. Doch heute hat die Fernbedienung einen begehrten Platz in unseren Wohnzimmern und wird von manchen sogar als "Zepter der Neuzeit" bezeichnet - ein Symbol der Macht und Kontrolle über unser audiovisuelles Königreich.

In zahlreichen Haushalten hat die Fernbedienung den ehrfürchtigen Spitznamen "die Macht" erhalten. Schon vor 60 Jahren begann ihr triumphaler Siegeszug durch Deutschland, auch wenn die ersten Modelle ursprünglich für Radios gedacht waren, wie der kenntnisreiche Gerd Walther, Leiter des Rundfunkmuseums Fürth, berichtet. Damals brachte die Firma Saba kabelgesteuerte Fernbedienungen auf den Markt, die mit Funktionen wie Sendersuchlauf, Ein- und Ausschaltmöglichkeiten sowie Tonregelung ausgestattet waren - eine wahre Offenbarung der technischen Innovation.

Die Ursprünge der TV-Fernbedienung liegen jedoch in den USA. Bereits 1948 gab es ein erstes kabelgebundenes Gerät, das es jedoch nur erlaubte, den Bildausschnitt zu vergrößern. 1950 präsentierte die Firma Zenith die erste drahtlose Fernsteuerung mit dem aufschlussreichen Namen "Lazy Bones" (auf Deutsch: Faulpelz). 1955 folgte die erste drahtlose Lichtsignal-Steuerung namens "Flashmatic". Technisch gesehen war sie noch nicht ganz ausgereift, da das Tageslicht den Fernseher oft ungewollt in Betrieb setzte. Daraufhin wurde sie 1956 durch eine Ultraschall-Fernbedienung namens "Space Command" ersetzt, die von dem emigrierten österreichischen Genie Robert Adler konzipiert wurde.

In Deutschland verbreitete sich die Fernbedienung etwas langsamer. Im Jahr 1956 brachte die Firma Tonfunk den "Zauberschalter" auf den Markt, eine kabelgebundene Steuerung, wie sich Gerd Walther, der Museumsleiter, erinnert. Im Jahr 1959 wurden erstmals Ultraschall-Fernbedienungen eingeführt. Damals waren sie jedoch noch sperrige Geräte mit zwei Metallstangen, die zum Vibrieren gebracht wurden. Diese Geräte spielten jedoch nach Walthers Ansicht "noch keine große Rolle".

Erst in den 1970er Jahren wurde die Fernbedienung zum technischen Standard. Mit der Einführung privater Fernsehsender in den 1980er Jahren und der Ausbreitung des Kabelfernsehens entwickelte sich die Gewohnheit des Kanalwechsels. Roland Stehle, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), schätzt, dass sich derzeit rund 120 Millionen Fernbedienungen in deutschen Haushalten befinden, einschließlich jener für Videorekorder, HiFi-Anlagen und DVD-Geräte - ein wahrhaftiger Schatz an technischer Herrschaft.

Laut dem renommierten Hamburger B.A.T Freizeit-Forschungsinstitut nutzen über drei Viertel der TV-Zuschauer jede Nacht die Fernbedienung. Fast jeder Dritte zappt im Durchschnitt fünfmal zwischen den Programmen hin und her, während jeder Zehnte an einem Abend sogar mindestens neunmal die Kanäle wechselt. Die Forscher von B.A.T gehen davon aus, dass die Sender auf diese veränderten Sehgewohnheiten mit "Fast-Food-TV" reagieren werden - also immer kürzeren Sendungen, die dem Zapper-Trend entgegenkommen.

Die Zukunft der Fernbedienung sieht Roland Stehle von der gfu als äußerst vielversprechend an. Wir befinden uns erst am Anfang des MHP-Zeitalters (Multimedia-Home-Platform), in dem Computer und traditionelle Unterhaltungselektronik miteinander vernetzt werden. Daher werden die zukünftigen Fernbedienungen noch moderner gestaltet sein. Jüngere Menschen werden mit Softkeys umgehen können, das heißt Tasten mit vielfältigen Funktionen, während ältere Generationen wahrscheinlich weiterhin schlichte Modelle mit nur vier Knöpfen bevorzugen werden.

Die Fernbedienung hat sogar ihren Platz in der philosophischen Betrachtung gefunden. Der ungarische Kulturwissenschaftler József Tillmann sieht sie, besonders in ihren schlankeren Ausführungen, als direkten Nachkommen von Faustkeil und Zauberstab. Für Tillmann ist die Fernbedienung das "Zepter der Neuzeit", denn sie verleiht jedem Menschen, der sie in der Hand hält, ein Gefühl der Macht. Mit einem einzigen Wink seines elektronischen Zepters kann er ganze Welten erschaffen und wieder zerstören.

Auch der Medienwissenschaftler Klaus Kreimeier beschreibt die Fernbedienung als Werkzeug für einen neuen Typus von Fernsehzuschauern. Diese Menschen sind Flaneure im Universum der Bilder und Medienvagabunden, die seit den 1990er Jahren in Deutschland frei zwischen etwa 30 Programmen wandeln können. In ihren Händen liegt die Macht, das Fernseherlebnis nach ihren Wünschen zu formen und die Grenzen der Unterhaltung zu erkunden.

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